01 Dezember 2009

Mein Wunschzettel

Lieber, guter Weihnachtsmann.

Ich liege gern. Liebend gern. Das weißt Du doch, oder? Ich lege mich gern in den Sitz meines Rades und entdecke das, was um mich herum ist. Anders als Du, der Du von einem Dutzend Rentieren gezogen wirst, muss ich mein eigenes Renntier selbst treten. Aber das ist nicht schlimm - im Gegenteil, mir macht das Spaß.

Und deshalb habe ich Dir ein paar Wünsche für mein Renntier aufgeschrieben, vielleicht hast Du ja einiges dabei, wenn du Deinen dicken Sack aufmachst. Mich würde es jedenfalls freuen.

Wunsch 1 - Es werde Licht!

Oh man, ja, das muss sein. Ein Schmidt SON und die dazu gehörige Edelux. Auch in rot eloxiert wenns geht. Kein Vergleich zum normalen Seitenläuferdynamo, zum Funzellicht aus der Bumm Standardlampe. "May the road rise up and greet you" sagt mein portugiesischer Freund immer. Mit dem Wunderkasten und der Wunderlampe wird die Straße das auch in der Nacht tun. Und hey, dann wird mein Liegerad endlich ausgewogen ausgerüstet sein, farbtechnisch - rot eloxierter Rohloff Speedhub hinten, rotes Eloxat vorn. Mmmh, ein Designhappen vom Feinsten!

Preis? Rund 400 Euro mit Einbau. Autschn.


Wunsch 2 - Wie in einer Sänfte

Ja, ja, gut gefedert will der Hintern durch die Lande reisen. Denn wenn schon mit Muskelkater, dann sanft gebettet. German:A, oder German Answer hat nach einhelliger Meinung meines Mechanikers und mir da die besten Voraussetzungen - eine Luftfederung aus dem Hardcore MTB-Bereich, ausgiebig getestet, robust und von höchster Qualität. Da investiert man doch die ca. 300 Euro gern, oder? Denn ich weiß, dass ich hiermit nicht nur meine Karre aufmotze, sondern den Krisenkarren deutsche Wirtschaft ein wenig aus dem Schlamm zerre, ein dolles Ding, dieses German:A. Und endlich trage ich dann mal ganz offiziell die Farben meiner Heimat an der Speedmachine.


3. Wunsch - Nie wieder verfahren

Na logisch, das muss sein. Wer meine Touren-Erfahrungen aus Portugal oder Japan gelesen hat, der wird es wissen - Wissen ist Macht. Und das GPS-60 von Garmin weiß ganz schön viel, wenn man es zu benutzen weiß. Lange Batteriedauer, gute, viele auch kostenlose Karten im Netz und endlich mal die Möglichkeit, sich leiten zu lassen, einfach zu fahren, drauflos, sich unbeschwert die Natur ansehen, durch die Kante brettern, Rennräder fressen, Carbon splittert - ohne immer auf die Karte schauen zu müssen. Ein Track, eine Peilung, mindestens drei Satelliten, mehr braucht man nicht. Und vorher ca. 250 Euro, aber dann kanns auch schon fast losgehen.
So ein Elektroknecht, der mir sagt, wo es lang geht?
Dann kanns auch gern nochmal nach Matsusaka gehen. Wo auch immer das jetzt nochmal genau war.


Wunsch 4 - Ruckediguu, s´ist Blut im Schuh

Naja, ganz so schlimm ist es bei mir noch nicht. Ich fahre seit 2 Jahren den RT-50 von Shimano. Ein toller Schuh für Touren, wie ich sie fahre - die versenkten Cleats und eine flexible, dabei erstaunlich steife Sohle machen sowohl das Fahren, als auch die kleinen Märsche abseits der Strecke zum Pinkeln oder zur einen oder anderen Touristenattraktion zum Genuss.

Aber der gute alte RT 50 ist ... nunja, alt eben. Abgewetzt. Etwas ruiniert das Leder. Manch Sturz hat seine Spur hinterlassen. Tja, und nun wäre es schön, wenn sein neuer Bruder, der glänzende, schnieke RT 52 bei mir die Füße kleidet, mich im Winter warm, im Sommer gekühlt und im Regen trocken hält. Nur ca. 80 Euro kostet das gute Stück. Hey, ein Schnäppchen, Weihnachtsmann, oder?

Tja, also mal sehen, was mir der gute alte rote Mann dieses Jahr so unter den Baum wirft. Oder muss ich wieder zum anderen roten Mann gehen, meinem Berater bei der Sparkasse, der gern gegen eine seelenverkaufende Unterschrift den Dispo erhöht, sodass ich selbst mein Weihnachtsmann sein kann?
Mal schauen.

Mal eben 1.000 Euro ausgeben, das macht man nicht so leicht. Und dann steht da ja noch die Umlackierung der Speedmachine aufs Bianchi-Celeste an. Die ganze Umrüstung auf weiße Anbauteile. Mmh. Vielleicht ist Erben eine Alternative? Aber dann müsste ich den ganzen Blogpost hier umschreiben und mich nicht an den roten, sondern den schwarzen Mann richten. Aber der, der soll man ruhig noch eine Weile wegbleiben.

Dann doch lieber alle gesund & munter. Denn eines ist klar - auch ohne SON und Edelux fährt ein HP Velotechnik schnell und sicher durch die Lande.


Ein frohes Fest wünscht Euch der Speedmaschinist.


Neue Etappe online! Ruhetag in Kokura

22 November 2009

Schäm Dich!

... sollte man sagen, wenn man erführe, dass ich nun schon das dritte Wochenende versuche, mein 10-Stunden-Training zu absolvieren.
Erfolglos.

Daran konnte auch heute der grinsende Morgenkaffee nichts ändern.

Hintergrund der ganzen Aufregung ist eine Idee. Ich möchte wissen, ob es möglich ist, an einem Tag mit einem niedrigen Schnitt (und damit niedriger Wattzahl und Herzfrequenz) 10 Nettostunden zu fahren. Was bei einem 20er Schnitt bei mir 90 Watt und 120 Bpm ausmachen würde.

Theoretisch machbar. Aber praktisch?

Vor allem - das ganze dann nicht nur an einem Tag, sondern an mehreren. Vielen. Hintereinander.
Also gut. Das ganze dann halt mal im Trockenen testen. Zuhause. In der Tacx-Rolle. Klaro.

An den Abenden vorher ist immer alles kar: Handtücher, Bananen, Drinks, Power-Gels und allerlei andere Utensilien lege ich mir bereit. Die Klamotten zum sind zum Reinschlüpfen vorbereitet und alles ist auf Go. Dann stelle ich mir den Wecker: 6:30 Uhr, hart aber naja, und gehe früh ins Bett.

Nächster Morgen.
6:30 Uhr. Wecker klingelt.
Und ich? Ich mache ihn aus. Denke mir: "Leck mich am Arsch! Ich hatte eine so harte Woche, da stehe ich doch nicht halb sieben auf!?!"

Nichts mit lecker Power-Gel. Mit Energie-Bananen. Mit 10-Stunden-Training.

Und da das nun heute zum dritten mal in Folge passiert ist, wird mir eines immer klarer: Bevor es um körperliche Leistung, um anaerobe Bereiche, Laktatschwellen und Netto-Schnitte geht, sollte der geneigte Radfahrer, egal, ob MTB, Rennrad oder Liegerad, erst einmal seinen eisernen Willen stählen.

Nur wie um alles in der Welt kann ich mich dazu bekommen, am verdienten Wochenende nicht auf mein Recht auf Ausschlafen zu pochen, sondern mich in meine Speedmachine zu legen und den ganzen Tag zu schwitzen?

Weniger Damenbesuch, das wäre mal ein Anfang.

Na, wenigstens bin ich heute zweieinhalb Stunden gefahren. Ein Anfang.
Vielleicht schaffe ich am nächsten Wochenende mal die 5 Stunden-Marke.
Um dann, quasi als Weihnachtsgeschenk, die 10 Stunden zu machen.


Mit dem Liegerad durch Japan - Neue Etappe online.

01 November 2009

Die Liegerad-Saison 2009

Tja, wir alle merken es. Am eigenen Leibe. Früh aufstehen ist zur Tortur geworden (irgendwie geht das im Sommer besser, wie ich finde), es regnet nur noch, es ist fies kalt, noch fiesere, kältere Winde blasen einem um die Ohren - Radfahren macht keinen Spaß mehr.

Und so beschließe ich meine Radsaison 2009 und schaue kurz zurück. Bin ich im letzten Jahr noch auf eine Jahresleistung von 7.563 km gekommen, habe ich ein Jahr später schon 9,150 km auf dem Tacho.

Das sind immerhin 21 Prozent mehr. Ich hatte zwar gehofft, wenigstens die 10.000 Kilometer-Marke zu knacken, aber der irgendwie auch nicht so geniale Sommer hat das vermiest.

Trotzdem gab es selbstverständlich einige Highlights. Hier meine Top-Trips:

Scavanger Hunt im Hamburger Hafen

Ach, das war ein Spaß! Zusammen mit der Mauz und unserem französischen Toxy-Liegeradfahrer ging es durch den Elbtunnel zum Verein Fahrradkulturen, der die "familienfreundliche Schnitzeljagd" organisierte. Ein perfekter Tag, viel gelacht, viel gesehen, viel gestaunt - ein toller Auftakt in den Sommer!

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My private own Randonneur

Groß waren die Pläne, um nicht zu sagen, hochtrabend: An den 4 Brevets des Schleswig Holsteiner-Randonneurs-Verbandes wollte ich teilnehmen. Beginnend bei 200, dann 300, dann 600 und schließlich 1.200 Kilometer fahren. Nonstop versteht sich.

Es endete auf meiner Terrasse bei einem Beck´s Chilled Orange. Die Story dazu gibts im Blogpost.

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Von Rittern und Recken

Wie komme ich ins Schwärmen, wenn ich an diese, durchaus als episch zu bezeichnende Speedmachine-Tour zurück denke. Es ging mehr als 200 Kilometer pro Tag ein Wochenende lang an die Ostsee, Graal-Müritz.

Zusammen mit den Berlinern Olli und Manu erlebte ich ein Liegerad-Märchen, von dem man sich noch lange erzählen wird ...

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Recumbent Fietsen in Holland

Heißa, das war ein Spaß! In drei Etappen von Hamburg nach Amsterdam, auch über den legendären Aflsuitdijk, wo wir Rennradler jagen und sogar Elton John (siehe unten) abgehängt haben. Was noch so haarsträubendes, komisches und abgefahrenes passiert ist, kann man im Blog-Post nachlesen.

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Olsenbande, Dänemark und Kampf dem Wind

Es waren einmal fünf Liegeradler, die sich aufmachten, Jütland zu erobern. Sie ritten in das flache Land ein, in Formation, trotzten dem Wind, ächzten sich an irrsinnigen Steigungen die Lungen heraus und fuhren sich die Waden weich. Am Ende aber war sie perfekt, die Schleife durchs Königreich - und ein ganzes Wochenende mit tollen Leuten.

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Außeneinsatz, die Erste: Kanada

Die Rocky Mountains haben gerufen. Ich bin gefolgt. 1.300 Kilometer durch eines der beeindruckendsten Gebirge der Welt. Im olympischen Calgary ging es los, in Vancouver hatte ich sie hinter mir, die Rockys, dachte ich, aber bis Seattle hatte der Bike-Gott noch einige Berge aufgefaltet. 3 Wochen Staunen, 3 Wochen Treten - 3 Wochen, die perfekt waren.

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Japan - Irrsinn pur!

Und weil die Steigungen Kanadas anscheinend noch nicht genug waren, musste ich mir auch noch eines der gebirgigsten Länder der Welt erobern: Japan. Ein 3-wöchiger Trip in ein Land voller Irrsinn, Exotik, Superlativen und viel Schmerz. Der härteste Trip bisher, und ein Blog, an dem ich noch immer zu schreiben habe. Kommt mit ins Land des Recumbent Samurai ...

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Tja. Also, das waren sie, die Höhepunkte der Saison. Und nun? Faule Haut? Winterspeck ansetzen? Ach, wohin denkt Ihr! Die Winter-Trainings-Saison geht los. Fit bleiben, fitter werden heißt die Devise.

Also ab auf die Rolle und Kilometer gemacht, Conconi-Tests gerockt und ... das schönste daran: Man hat Zeit. Zeit, Zeit, Zeit.

Zeit, um sich noch beknacktere, ausgefallenere und krassere Touren für das nächste Jahr, für 2010 einfallen zu lassen.

Und eines, das sollte klar sein - 2010 werden wir nicht nur ein Plus von 20 % fahren, 2010 wird ganz einfach das Speedmachine-Jahr werden. Versprochen!

31 Oktober 2009

Orgy in Red.

... naja, eigentlich "Orgy in Orange", aber Chris de Burghs Klassiker passt irgendwie besser zur melancholischen Grundstimmung, die sich in diese wahre Herbstorgie heute gemischt hat: Klares, kaltes Wetter, eine Sonne, die die ganze Stadt mit Licht aus Gold überschüttet hat. Und ich mitten drin.

Das Wetter ist so schön, dass ich noch gestern Abend nach dem Wetterbericht der Tagesschau beschließe, mein anstehendes 10-Stunden-Training auf nächstes Wochenende zu verschieben, um diesen Supertag heute für eine zünftige Abschiedsrunde in Hamburg zu nutzen.

Noch einmal alles sehen, die Heide, den Hafen, die Stadt, die Schiffe und ... einfach Sonne tanken. Gesagt - getan. Und was soll ich sagen? Es war einfach herrlich!

Außen um die Alster herum, es war Stimmung wie im Sommer, unzähige Jollen und Boote tümmeln sich auf Hamburgs Segelrevier und Jogger, Touris und Hamburger gleichermaßen verursachen Staus auf den idyllischen Parkwegen - die Straßen allerdings kommen mir leerer vor als sonst. Sommerstimmung.

Würden sie nicht alle Winterklamotten anhaben und ich nicht selbst unter meiner langen Jeantex-Kombi die gute Woll-Unterwäsche tragen, man könnte das hier für Juli halten.

Die Fontäne der Binnenalster bespritzt den Himmel, der wiederum in makellosem Blau glänzt und die perfekte Bühne abgibt für eine Sonne, die zwar nicht sonderlich wärmend, aber doch verschwenderisch großzügig ihre Strahlen über die Stadt schmeißt.

Der Sandstein des Rathauses schimmert wie Platin, die Fassaden der schicken Einkaufsmeilen funkeln wie Brillanten, selbst profaner Asphalt changiert verführerisch. Es macht Spaß, zu treten, obschon meine Knie schmerzen, schon nach wenigen Kilometern.

Steckt da etwa eine harte Saison in ihnen? Vielleicht sollte ich ihnen erst einmal eine längere Regenerationsphase gönnen? Aber ... nicht heute.

Unser Michel, stolz, über 100 Meter hoch und - so habe ich gestern noch gehört - endlich nach 26 Jahren ununterbrochener Sanierung das erste mal ohne Gerüst. Ich stehe eine Weile da, liege in der Sonne, atme mit Dampf. Ein perfekter Tag.

Klar, dass ich zum Hafen muss.

Ich fliege an den Landungsbrücken vorbei, fege über den Fischmarkt, wo sich schon erste Händler auf morgen früh vorbereiten, vorbei an Blohm & Voss, wo ein riesiger Frachter der Afrika-Linien im Trockendock liegt und hechte die Treppenstufen zum Dockland-Haus hinauf.

Denn hier oben hat man den besten Ausblick.

Herrlich, diese Stimmung. Ich muss mich revidieren - nein, nein, das ist nicht wie im Juli. Diese Stimmung bekommt nur der Herbst hin. Eine unverwechselbare Patina, die auf allem liegt, dieses goldene, der Schimmer, eine leicht traurige, bedrückende Stimmung, ein Grundrauschen wie ein Seufzer - die Erkenntnis, dass das der vielleicht letzte Tag des Jahres mit Plusgraden sein könnte.

Ich atme durch, blicke hinüber zur Köhlbrandtbrücke, sehe, wie die Fähren immer neue Touris an den Piers ausspucken, andere einsaugen. Es ist komisch, denke ich, in ein paar wenigen Wochen, Tagen vielleicht, wird hier Schnee liegen, und wenn kein Schnee, dann doch sicherlich der eisige Hauch eines unerbittlichen Winters.

Und dann, so weiß ich, wird es kein Liegerad-Spaß mehr geben. Zumindest nicht hier, hier draußen an der Luft.

Ich schieße weiter Richtung Elbstrand, ein eisiger, straffer Wind treibt mich an, genauso, wie er den Skipper eines Bootes zum Kreuzen vorwärts schiebt. Er in den Hafen - ich kehre Hamburg erst einmal den Rücken.

Kämpfe mich die Blankeneser Berge hinauf, schwitze in der Kälte, heize heiß durch Alleen aus goldenen Bäumen. Rot, Orange, reich, satt und bunt blitzt es neben mir, wenn ich die Bäume abfahre, eine Parade aus Ocker, eine Orgie, eine wahre Orgie des Herbstes.

Es duftet würzig, unter meinem Liegerad knistert feuchtes Laub, wenn ich auf dem feuerfarbigen Teppich hinabschieße auf der anderen Seite, hinab nach Wedel. Dort drehe ich wieder in den Wind. Habe kalten Rotz am Kinn, ständig tränen die Augen. Heiße Brust vorn, kalter Schweiß hinten. Radfahren, wie es nur im Herbst möglich ist. Ein Wechselbad, kalt-heiß, nach Kneipp.

Nach zweieinhalb Stunden komme ich daheim an. Es war nicht meine schnellste - aber bestimmt eine der emotionalsten Trainingsrunden, denke ich mir, als ich der Speedmachine im Wohnzimmer den hinteren Schnellspanner entnehme und das Trainings-Stück einsetze, mit dem ich sie in die Rolle einspannen kann.

Das heute, wird mir klar, waren die letzten Kilometer auf meinem Liegerad in 2009.


Gefahren: 60 km in 2:33 Stunden mit gemütlichem 23er Schnitt.


Neue Etappe online! Die Speedmachine in Japan

26 Oktober 2009

Neuer Trainingsplan. Für Projekt X.

Im nächsten Jahr plane ich einen Wahnsinns-Trip.
Unzählige Horror-Kilometer.
Schmerzende Schleifer-Meilen.
Blut-Etappen eben.

Mal wieder. Was sonst?

So wird es werden. Ich will an meine Grenzen gehen, diesmal richtig. Will den Abgrund sehen, tief hinabblicken. Will gebrochen werden. Und mich wieder aufrichten. Will es durchstehen, ankommen. Und Sieger sein.

Was ich vorhabe, wird nicht bloß "Radtour" sein. Kein Urlaubstrip. Was ich vorhabe, wird wie die Tour de France sein, nur länger. Was ich machen will, wird wie der Giro sein, nur mehr Etappen haben. Was ich machen will, wird die RAAM sein. Nur ... ähm, naja ... dann doch nicht ganz so extrem.

Was wäre also - habe ich mir gedacht - wenn man sich zum Ziel machen würde, täglich 200 Kilometer fahren zu wollen? Wie könnte man das schaffen?

Mit System, wäre die Antwort. Mit einem klugen System. Ja. Dann, ja.

Also, fangen wir mal so an: Im Ausdauerbereich, bei mir also alles rund um 140 bpm, leiste ich auf der Rolle bei perfekten Bedingungen und Slope 0 genau 25 km/h und um die 125 Watt.

Am Stück durchhalten kann ich die Geschwindigkeit (auf der Rolle, also ohne kurze Ampelpausen, mal rollen lassen usw.) für 1 Stunde, sicher auch länger, aber wir wollen ja nicht nur einen einzigen Tag überbrücken, sondern mehrere, viele Etappen.
Nach dieser einen Stunde also müsste ich einen Gang zurück schalten, um bei 120 bpm, meiner Regenerationsfrequenz, etwas Luft zu schnappen.

Zu krass, um damit 200 km zu fahren. Wie gesagt, bei einem Wochenendausflug geht das. Da geht auch mehr - so wie bei meinem Radmarathon nach Graal-Müritz. 230 km bei 26er Schnitt am Samstag, 220 km bei 25er Schnitt am Sonntag. Aber das waren ja nur zwei Tage. Ich aber will das 20 Tage lang aushalten.

Aber hey. Wie wäre es denn, wenn man gleich im grünen Regenerationsbereich fahren würde? Dauert zwar länger, aber es ermüdet auch nicht so.

Denn da müsste ich nur 90 Watt leisten, fahre mit dieser Leistung genau 20 km/h und kann dies ewig durchhalten (glaube ich). Theoretisch wären das also 10 Netto-Fahrtstunden für 200 km.

Aha.

Übersetzte man das in einen Fahrtag, so käme man auf ein interessantes Konstrukt: Nehmen wir mal an, ich stünde 6:30 Uhr auf - was nicht unrealistisch ist. Dann käme ich, da ich ja ein ganz Schneller bin, auf eine Abfahrtszeit von 7:30 Uhr.

Und nehmen wir an, ich fahre nun strikt auf 20 km/h Schnitt - sonst fahre ich auf "alles was geht" - dann könnte ich vormittags 5 Stunden fahren, würde alle Stunde 15 Minuten (Pinkel-)Pause halten und wäre 13:45 Uhr mit der Hälfte des Fahrtages durch.

Mittagspause - und dann geht es noch einmal von vorn los.

So - das zumindest denke ich - könnte man Tagesetappen von 200 Kilometern auch über längere Zeiträume aushalten. Und nehmen wir an, wir würden alle 3 Tage einen Ruhetag einlegen, den wir zur Regeneration nutzten, könnte man so, da man vorrangig im niedrigen Belastungsbereich der Regeneration fährt, richtig viele Etappen über einen längeren Zeitraum absolvieren.

Theoretisch.

Toller Plan, Lars.

Und nun?

Tja. Und nun muss ich das ganze halt am Wochenende mal ausprobieren, schätze ich ...


Neue Etappe online! Die Speedmachine in Japan

22 Oktober 2009

Celebrating Celeste: Die Idee

Nun ist das ja oft so. Ja, auch bei uns Männern. Ab und zu. Von Zeit zu Zeit. Da ... da ... kann man sie einfach nicht mehr sehen, die alten Kleider. Einst flippige, hippe Schnitte werden auf einmal fad. Klasse Farben, die vorhin noch in waren, sind nun nur noch out.

So ist das bei mir und meiner Speedmachine auch. Nein, nein, nicht, dass Ihr denkt, mir gefällt das Liegerad nicht mehr. Das ist nachwievor die beste Anschaffung ever. Nur. Naja. Nur eben die Farbe, die kann ich nicht mehr sehen.

Hinzu kommt - und da darf man, glaube ich, auch mal ehrlich sein - dass so ein klasse-rassiges Rennrad schon irgendwie etwas Tolles hat. Irgend eine Aura. Ein Nimbus.
Einen Nimbus, den die (viel tolleren Liegeräder) niemals haben werden.

Nehmen wir zum Beispiel mal Bianchi. Ah, was für ein Name! Was für eine Geschichte - 1885 gegründet! Das sind Rennräder der ersten Stunde, Erfinder der Vorderradbremse, Erbauer des ersten Pedelecs. Auf Bianchi fuhren sie alle - die Heroen der Staubstraßen, die Dopingsünder, tausende Amateure. Fausto Coppi. Jan Ullrich. Tour de France-Schlachten wurden mit Bianchis ausgetragen. Eine unvergleichlich spannende Geschichte. Eine Marke, die ich verehre.

Und hey - denke ich mir, als ich mir mein HP Velotechnik beschaue - warum mache ich aus der Speedmachine nicht ... ein Bianchi? Und da ist sie auch schon in meinem Kopf, die Idee von der HP Velotechnik Speedmachine Edizione Bianchi.

Gesagt - getan. Schon sind sie fertig, die Skizzen. Ein Traum in Celeste und Weiß soll es werden. Mmh. Herrlich - edel. Ich liebe es, kann es schon gar nicht mehr erwarten, mein Rad zum Pulvern zu geben.

Gabel und Schwinge werden ins Weiß auslaufen, um meinen rot eloxierten Speedhub und den (geplanten) SON zur Geltung zu bringen. Gibt es die Kettenleitrolle auch in Weiß? Die Kettenschutzrohre auch? Und was ist mit den Brems- und Schaltleitungen? Den Schutzblechen?

Fraglich ist noch der exakte RAL-Ton für Bianchis Celeste-Farbe. RAL 6027 kommt dem sehr nahe, ist es aber wohl nicht. 6033 oder 6034 könnte es auch sein. Auch die Wikipedia-Angabe eines Hex-RGB-Wertes von 8CDFD6 ist eher vage. Man müsste mal mit einem RAL-Fächer zu einem Bianchi-Händler gehen.

Celeste hat sich über die Jahrzehnte ja auch verändert ...

Ach Jungs, wie toll ist dieses Projekt! Diesmal keine Tour, in die ich all meine Planung, all meine Energie und (leider auch) all mein Geld stecken kann. Meine Speedmachine bekommt neue Kleider.

Oh, halt mal! Dann brauche ich sie natürlich auch ... die neuen Kleider. Aber da hat Bianchi ja auch paar schicke Shirts und Shorts im Angebot.

Ich bin dann mal bei der nächsten Lotto-Annahmestelle ...


Neue Etappe online: Vom Fuji-san nach Sagara Beach

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21 Oktober 2009

Puls vs. Watt

Ach, das war herrlich! Schon dunkel war es, gestern, als ich nach einem mehr oder weniger stressigen Tag nach Hause komme, meine Klamotten in die Ecke feuere und mich umziehe. Einfach schnell in die Bikehose, das Craft-Shirt über, 20 Liegestütze (wir wollen es ja nicht übertreiben) zur Aufwärmung und dann ins Liegerad eingeklinkt.

Mucke laut. Los gehts!

Die Rolle surrt, die Pulsuhr funkt und mein Stift fliegt über das Notizblatt. Alle fünf Minuten halte ich Herzfrequenz und Wattzahl fest: Yep, das Wintertraining hat begonnen.

Nachdem ich ja nun im letzten Jahr meine Tacx-Rolle, die Pulsuhr und das Trainieren nach Wattbereichen auf rund 1.200 Rollenkilometern ausgiebig getestet habe, will ich in diesem Jahr etwas Neues probieren: Das Training nach Pulsbereichen.

Joe Friel gibt in seiner "Trainingsbibel für Radsportler" genaue Tabellen mit, mithilfe derer jeder, der seine Laktatschwelle bestimmen, auch gleichzeitig GA 1, GA 2, anaerober Bereich und und und ablesen kann - und mehr noch, je nach Jahresziel, kann man sich so sein individuelles Trainingsprogramm zusammen stellen.

Meins sieht so aus: 5 Sessions pro Woche, das macht 9 Trainingsstunden. Weniger, als wenn ich im Sommer meine Speedmachine "echt" fahre, aber Rollentraining ist dafür gleichförmiger, deshalb anstrengender. Habe ich jedenfalls das Gefühl.

Drei unterschiedliche Sessions habe ich für mich festgelegt:


Di, Mi und Fr trainiere ich jeweils eine Stunde. Das geht gut nach dem Job - 19 bis 20 Uhr. Perfetto zur Tagesschau fertig. Sa und So, am Wochenende, wo ich Zeit habe, dann jeweils 3 Stunden.

Die Intensität ist auch einfach - Di und Mi im Bereich GA 1 mit zwei Leistungsspitzen im oberen Pulsbereich, Do eine Stunde nur GA 1 und das Wochenendtraining - länger und dadurch schonmal härter - zielt auf viel Ausdauer ab.

Ich bin Tourenfahrer und will mich da verbessern, alles nahe der Laktatschwelle und darüber hinaus interessiert mich nicht so sehr. Sprinten tue ich eher selten.

Mo und Do dann Regenerationstage. Die braucht man auch.

Was ist das Neue am 2009er-Training? Im letzten Jahr noch bin ich nach "Watt pro Zeit" gefahren. Das heißt, ich habe bei einem 7er Slope (die Rolle simuliert 7 % Steigung) bestimmte Wattzahlen für mich festgelegt, die ich "gut" fand. Dann bin ich für bestimmte Zeitabschnitte diese Wattzahlen gefahren, habe meine Herzfrequenzen notiert.

Das war cool, hatte aber den Effekt, dass ich im Training immer versucht habe, bewusst meine Herzfrequenz so niedrig wie möglich zu halten. Denn ich will pro Herzschlag ja maximale Wattzahl.

Nun trainiere ich genau umgedreht - auf Basis meiner ermittelten Laktatschwellen-Herzfrequenz kann ich mit Friel´s Tabellen meine Puls-Leistungsbereiche ermitteln. Also beispielsweise liegt mein GA 1 bei 138 bis 151 Schlägen/Minute.

So habe ich nun meine Stunde Trainingszeit mit obigem Profil einfach um meine Herzschlag-Bereiche ergänzt. Und nun halte ich für bestimmte Zeiträume meine Herzfrequenz - und damit richtet sich die Wattzahl nach dem Puls. Nicht umgekehrt.

Ich achte nun nicht mehr krampfhaft darauf, meinen Puls so niedrig wie möglich zu halten, sondern fahre nur nach Uhr und Pulsmesser. Wesentlich entspannter. Und beugt auch dem Übertraining vor - die meisten trainieren viel zu hart, laut Fachpresse.

Und das kann ich bestätigen: Gestern war es wesentlich entspannter, als im letzten Jahr. Zwar schwitze ich immer noch wie ein Schwein, aber es ist weniger Stress. Obwohl, hey, das war gerade meine erste Session dieses Jahr. Mal sehen, was ich nach meinem ersten 3-Stunden-Training sage ...


Neue Etappe online: Vom Fuji-san nach Sagara Beach

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